

|
Experimente können gelingen, müssen sie aber nicht. Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Unter diesem Motto haben No Angels ihr neues Studioalbum „Welcome to the Dance“ aufgenommen. Nach ihrer Wiedervereinigung 2006/2007 brachten Sandy, Lucy, Nadja und Jessica nun ihre zweite Platte auf den Markt. Sie wollten anders sein, frisch und überraschend. Der typische, kassentaugliche Pop der letzten Jahre wurde kurzerhand beiseite gestellt und dafür Mut für neue Musikstile ausgepackt - und auch der Wille, nun endlich die internationale Musik-Szene zu erobern. Um ihrem neuen dance-lastigen Album den richtigen Schliff zu verpassen, arbeiteten sie unter anderem mit Größen wie Robert Bell, Nasri Atweh und Adam Messinger in L.A., New York und Berlin zusammen. Seit dem 11. September ist die CD nun auf dem Markt.
Als erste Sieger der deutschen Casting-Show „Popstars“ im Jahr 2000 begann die steile Karriere der Band mit ursprünglich fünf Frauen. Hochgelobt, beliebt und erfolgreich sahnten sie sämtliche Preise ab. Auch nach der Trennung versuchten vier von ihnen einen Neuanfang. In den letzten Monaten war es allerdings sehr ruhig um die Casting-Band geworden. Nach der Niederlage beim Grand Prix d’Eurovision 2008 verschwanden die Sängerinnen musikalisch vorerst in der Versenkung. Die besten Jahre schienen vorbei. Letztlich waren sie nur noch Gesprächsthema in Negativ-Schlagzeilen um die HIV-Infizierte Nadja Benaissa. Das neue Album „Welcome to the Dance“ ist der zweite Versuch eines Comebacks der vier Musikerinnen.
Musikalisch sind viele Stilrichtungen vertreten. Hauptsächlich sollte Dance eine zentrale Rolle spielen, doch daneben gibt es auch Elektro, R&B und Soul. Natürlich haben No Angels ihre Herkunft nicht vergessen und viele poppige Elemente beibehalten. So erinnert die schöne Ballade „Derailed“ an alte Zeiten der Band und lässt für einen kurzen Moment vergessen, dass sie bei den weiteren Liedern musikalisch experimeniert haben. Wirklich dance-lastig sind „Dance-Aholic“ sowie das gleichnamige Lied zum Album „Welcome to the Dance“. Die erste Single-Auskopplung „One life“ ist eine Up-Tempo-Nummer mit Ohrwurm-Charakter, die vom Willen niemals aufzugeben erzählt. Die Frauen verarbeiten in ihren Liedern Geschehnisse, Gedanken und Ideen, die sie die letzten Monate begleitet haben. Vor allem das Thema Liebe und ihre verschiedenen Facetten wird in vielen Songs aufgegriffen.
Mit der neuen Platte haben sie es geschafft, die Medien wieder auf das Wichtigste zu konzentrieren: ihre Musik. Doch ganz so problemlos wie in den letzten Jahren sind ihre Kritiker und Musik-Liebhaber nicht von der CD zu überzeugen. Ihr neues Album ist mit Sicherheit ein löblicher Versuch aus dem Schatten der bekannten Pop-Band zu treten. Die Musik kann sich hören lassen, denn die vier Frauen haben mit Sicherheit wunderbare Stimmen. Doch was No Angels ausmachte, ist nur noch sehr spärlich auf dem Album zu finden. Ihre Bewunderer werden ihnen treu bleiben, und sich auf die neuen Klänge freuen. Womöglich finden auch andere Musikfreunde zu der Band. Doch eine erfolgreiche Zukunft funktioniert sicherlich nur dann, wenn No Angels zu ihren Wurzeln zurückkehren: zur Pop-Musik. Das mag die Hitlisten der internationalen Musik-Märkte womöglich nicht erweichen, aber zumindest die Herzen ihrer langjährigen und treuen Fans.
|