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Ein einzelner roter Luftballon schwebt über dem Olympiastadion in Berlin. Unter blauem Himmel und bei 27 Grad im Schatten tanzt er zum rhythmischen Trommeln der Menge. 67.314 Menschen verbringen ihren Sonntag damit durchtrainierten Sportlern beim schwitzen, rennen, springen, jubeln und fallen zu zuschauen. Haben die nichts besseres zu tun?
Ich bin spät dran zur Eröffnung. Klaus Wowereit und Heike Drechsler stehen schon auf der Bühne und unterhalten sich mit dem Moderator, da bin ich immer noch dabei meine Sektion zu finden, wo ich freie Platzwahl haben soll. Es ist ziemlich warm, und das Stadion echt groß. Alle paar Meter treffe ich auf Brezel- und Hot Dog-Verkäufer. Daneben Eis, Cola, und Bier. Viele Kinder kommen mir entgegen. Sie laufen dem Mann mit der Erfrischungsdusche hinterher, die er alle paar Meter über die Passanten spritzt. Das ist also das 67. Internationale Stadionfest (ISTAF) 2008 in Berlin. Endlich, Sektion L-M, hier bin ich richtig und es gibt sogar noch Plätze im Schatten. Ich schiebe mich erneut an fremden Menschen vorbei, und dann endlich sitze ich. Im Stadion drehen gerade die offiziellen ISTAF- Cabrios ihre Runden und präsentieren berühmte Sportler, von denen ich keinen kenne. Dann bittet der Moderator uns aufzustehen für die Nationalhymne der Bundesrepublik. Ich bin verwirrt, war ich doch noch nie in einem Stadion und habe auch noch nie die Nationalhymne live miterlebt. Um mich herum erhebt sich alles. Das ganze Stadion steht – ich sitze. Die Luftwaffenkapelle der Bundeswehr stimmt an und ich meine sogar einige Menschen mitsingen zu hören.
Dann geht es endlich los, die zweite Hälfte des Festes beginnt und die Sportler begeben sich auf ihre Positionen. Besonders beliebt beim Publikum ist der Stabhochsprung der Männer. Die Olympianorm gilt es zu erreichen, darum wird heute gekämpft. Jeder Versuch wird mit lautem Klatschen und Rufen begleitet. Doch womit klatschen die eigentlich. Hände? Füße? Nein, das sind richtige Klatschen. Aus beschichteter Pappe. Gefaltet wie ein Fächer haut man sich das Ding gegen irgendwelche Körperteile, wahlweise auch die Hände und kann so, wie ich fasziniert feststelle, einen Höllenlärm erzeugen. Die Männer beim Weitsprung sind besonders am organisierten Beifall interessiert. Immer wieder animieren sie die Massen ihren Rhythmus aufzunehmen.
Ich kann mich kaum entscheiden wohin ich schaue,denn bis zu fünf Disziplinen werden gleichzeitig ausgetragen. Danny Ecker hat Pech und sein Stab zerbricht. Während dessen läuft Sherone Simpson aus Jamaika zum Sieg über 200m. Irving Saladino Weitsprungfavorit aus Panama erreicht nur den siebten Platz und Tero Pitkämäki aus Finnland landet mit seinem ersten Versuch beim Speerwurf gleich ganz oben auf dem Siegestreppchen. Immer zu bricht die Masse in Jubel aus, Musik wird angespielt und ich frage mich, was ich gerade wieder verpasst habe. Schließlich fixiere ich mich auf den Hochsprung der Damen. Ariane Friedrich aus Frankfurt startet zu ihrem ersten Versuch über 2m, das wäre persönlicher Rekord. Alle klatschen in ihrem Rhythmus und auch ich fange an mit zu klatschen. Sie nimmt Anlauf – und – sie schafft es. Im ersten Versuch. Neue persönliche Bestleistung. Alle um mich herum beginnen gleichzeitig zu jubeln und auch ich springe aus meinem Sitz, klatsche und schreie. Das war einfach super.
An diesem Punkt habe ich es verstanden. Es kann echt Spaß machen Profilsportlern bei ihrem Job zu zuschauen. Nicht vor dem Fernseher, sondern live und mit 67.313 anderen Menschen im Stadion. Wenn dann noch super Wetter ist, die Organisation stimmt und man sich das Eis an den Platz bringen lassen kann, dann ist das ein gelungener Sonntag Nachmittag.
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