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Kein Platz für „e“ vor „Book“

Ein Bericht von der Leipziger Buchmesse 2010

 


156.000 Lesefreunde zog es am Wochenende auf die Buchmesse in Leipzig. Damit erzielte das Event abermals einen neuen Besucherrekord. Auf 65.000 m² präsentierten über 2.000 Aussteller ihre neuen Werke. In erster Linie gilt die Messe dem Buch – und das schon seit dem 17. Jahrhundert. Das Markenzeichen der Messe ist die einfache familiäre Atmosphäre zwischen Autoren und Lesern. Schnell integrierten die Veranstalter den Bereich Hörbuch, der von Jahr zu Jahr immer größer und spektakulärer von den Verlagen gestaltet wird. Auch Familiensonntag und der Karrieretag sind seit einigen Jahren nicht mehr aus dem Messeprogramm zu denken. Zudem verwandelten die  Veranstalter unter dem Motto „Leipzig liest“ 300 verschiedene Orten der Universitätsstadt in eine riesige Lesestadt.

Bei allen guten Traditionen, die sich in diesem Jahr einem noch größeren Zulauf erfreuen konnten, habe ich auf der Messe eines vermisst. Das eBook. Nicht, weil ich selbst Informatiker bin, sondern weil sich in einer Umfrage vor der Messe 2,9 Millionen Deutsche für einen Kauf eines solchen Gerätes aussprachen. Das eBook von Sony ist etwa vor einem Jahr auf den deutschen Markt gekommen. Die Besonderheit ist das spezielle Display, welches sich wie eine Papierseite verhält. Dies soll unter anderem die Augen schonen und den Leser immer noch an ein normales Buch erinnern.

Gerade aus diesem Grund ist die breite Leserschaft noch nicht bereit für das eBook. Auch wenn es technisch gut verarbeitet ist und an einigen Ständen in Leipzig vertreten war, so können sich einige doch nicht vorstellen ihr neu erworbenes wunderbar gebundenes Werk gegen einen kleinen Kasten zu tauschen. In einer Hochschulumfrage von Sony äußerten 88% den Wunsch das Gerät für das Studium zu testen, denn es sei durchaus praktisch Fachliteratur, Sachbücher und Belletristik auf einem Gerät speichern zu können. Ebenso ist das interne Wörterbuch von Interesse um englischsprachige Literatur besser verstehen zu können. Bei vereinzelten Lesern ist das eBook also durchaus gefragt. Studienrelevante Bücher machen aber nur ein Bruchteil aller verkauften Literatur aus. So kann dies nicht die breite Masse sein. Ich denke diese Frage ist je nach Standpunkt noch aufwändiger zu betrachten. Nur kann man das Fazit schon jetzt ziehen. Das Buch, wie wir es heute kennen, wird es noch viele Jahre geben und sich so schnell nicht von technischen Geräten wie dem eBook aus dem Rennen werfen lassen. Das Gerät an sich wird sicher in erster Linie von Studenten und Professoren hauptsächlich für Fachliteratur genutzt werden. Denn hier scheinen alle Vorteile zu überwiegen.
Ich selbst greife auch als Informatiker lieber zum Papierbuch als zum eBook. Wobei es scheint, als würden viele Menschen so denken. Das weitgehende Fernbleiben des eBooks von der Leipziger Messe kann hierfür als Indikator gesehen werden.

Die nächste Frankfurter Buchmesse wird vom 6. bis 8. Oktober stattfinden. Die Universitätsstadt Leipzig liest wieder gemeinsam vom 17. bis 20. März 2011.

 

Fotos: Daniel F. Rose


Sebastian Pohl
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