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Ein genervtes Stöhnen geht durch die Turnhalle. Die Klasse hat Sportunterricht und Lucy wurde wieder mal als Letze gewählt. Obwohl gewählt kann man eigentlich nicht sagen. Sie blieb über und wird widerwillig von ihren Mitschülern in der Mannschaft aufgenommen. "Mit der fetten Tonne haben wir doch eh keine Chance!" hörte sie Markus flüstern. Basketball stand heute auf dem Programm. Lucy wusste, dass sie keine Traumfigur hatte und auch kein Ass im Sport war, aber war das ein Grund so mit ihr umzuspringen? Sie hatte doch niemanden etwas getan.
Das Spiel ging los. Lucy war zwar mit auf dem Spielfeld, aber wurde nicht weiter beachtet. Selbst wenn sie als Einzige frei stand, spielten ihre Klassenkameraden den Ball an jemand anderen ab. Aber das kannte sie ja schon und so zog dich die Stunde langsam zäh dahin.
Am Ende der Stunde wollte Marie, die Klassensprecherin noch etwas sagen. "Ihr wisst ja, dass das Abi immer näher rückt. Leider haben wir noch immer zu wenig Geld zusammen, um eine richtig schöne Abschlussfeier zu gestalten. Es wär schön, wenn ihr euch noch was überlegen könntet." "Wie wäre es mit einem Kuchenbasar?" rief jemand. "Na, ob da so viel Geld bei rum kommt" murmelte jemand anderes. "Naja versuchen können wir es, aber wenn ihr noch weitere Ideen habt, immer her damit".
Einige aus der Klasse hatten sich der Aufgabe angenommen, den Kuchenbasar zu organisieren. Eine Woche lang wollte die Klasse in den Pausen Kuchen verkaufen. Jeder aus der Klasse sollte ein bis zwei Kuchen backen. Für Lucy war das kein Problem. Sie liebte backen. Naja, eigentlich liebte sie alles, was mit Essen zu tun hatte. Sie steuerte einen Schokokuchen mit Kirschen für den Basar bei. Als sie nach der Pause wieder das Schulgebäude betrat, wo der Kuchen in der Eingangshalle verkauft wurde, konnte sie es kaum glauben. Ihr Kuchen war komplett verkauft, während von den anderen jeweils nur wenige Stücken fehlten. "Hmm, der Kuchen ist echt super lecker. Gibt es den morgen auch?" fragte ein Mädchen aus den unteren Klassen. Jan, Lucys heimlicher Schwarm, kratzte die letzten Krümel vom Teller. "Ja, sie hat Recht. Wer hat den gemacht?". Lucy wurde ein wenig rot, aber das bekam zum Glück niemand mit. Schnell ging sie in den Klassenraum. Da sprach Marie sie an, jedoch mit einem etwas kühlem Unterton: "Hey könntest du den Kuchen nochmal machen? Er hat sich echt gut verkauft." So kam es, dass Lucy den Kuchen nun jeden zweiten Tag machte. Am Ende der Aktion trommelte Marie die Klasse wieder zusammen. "Der Kuchenbasar hat sich echt gelohnt. Wir haben einiges eingenommen. Die Party kann nach dem Abi so richtig losgehen."
Als Lucy nach der Schule nach Hause ging, sah sie etwa auf der Hälfte des Weges Jan stehen. Er hatte heute wohl nur kürzer Schule als sie. "Hey," sagte er "Dein Kuchen war echt super, wir haben es nicht zuletzt dir zu verdanken, dass die Abikasse ein bisschen aufgebessert werden konnte." Lucy fühlte, wie ihr Herz kleine Luftsprünge machte, aber sie versuchte ruhig zu bleiben. "Naja" sagte sie nur. "Hast du was dagegen, wenn ich dich noch ein Stück begleite?" Natürlich hatte Lucy nichts dagegen. Jan ging mit ihr den ganzen Weg bis nach Hause. Sie scherzten und lachten. Sie hatten richtig Spaß und Lucy mochte Jan immer mehr. "Ich hätte gar nicht gedacht, dass du so nett bist" sagte er als die beiden vor ihrer Haustür standen. "Es macht sich ja auch niemand die Mühe mich näher kennen zu lernen" entgegnete Lucy etwas gekränkt, obwohl sie sich innerlich freute.
Am nächsten Tag ging Lucy nicht mit einem solchen Unbehagen in die Schule wie sonst. Sie freute sich sogar ein wenig darauf. Vielleicht würde sie nun endlich nicht mehr in den Pausen allein stehen müssen.
Jan saß schon im Klassenraum als Lucy kam. "Hi" sagte sie. Aber er drehte sich weg und tat so, als hätte er sie nicht gehört. Was war denn jetzt los? Lucy verstand die Welt nicht mehr. Gestern war Jan noch so nett zu ihr und heute beachtete er sie nicht. Also war heute wieder einer dieser verdammten Schultage, die sie so hasste, nur noch viel schlimmer.
Am Nachmittag musste Lucy noch einiges in der Stadt besorgen. "Hey Lucy, warte mal" hörte sie plötzlich eine Stimme hinter sich. Es war Jan. "Was willst du?" sagte sie genervt. Woher nahm er sich eigentlich das Recht, so mit ihr umzuspringen? "Es tut mir leid. Kann ich dich als Entschuldigung auf ein Eis einladen?". "Nur, wenn du mir erklärst, was das sollte." Jan nickte mit langsamen Bewegungen. Jan wählte in der Eisdiele einen Tisch, der ziemlich versteckt war. "Hier haben wir unsere Ruhe" sagte er nur. "Naja es tut mir leid, aber ich habe mich einfach nicht getraut vor den anderen zu dir zu stehen." Das ist ja eine tolle Entschuldigung, dachte Lucy nur. Was ich dabei fühle ist wohl völlig egal. "Ich weiß, das war dumm von mir. Ich habe es ja eingesehen." Es entwickelte sich erneut ein richtig nettes Gespräch. Die beiden merkten gar nicht, wie die Zeit an ihnen vorbei flog. "Oh schon so spät", sagte Lucy plötzlich, als sie einem Blick auf die Wanduhr erhascht, "Ich habe meiner Mum versprochen ihr beim Kochen zu helfen. Aber vermutlich ist sie schon längst fertig. Naja ich sollte jetzt besser nach Hause gehen." "Ok, ich begleite dich noch ein Stück".
Es wiederholte sich was Ähnliches wie gestern, nur dass sie sich noch besser verstanden. Hoffentlich ist es morgen in der Schule anders als heute, dachte Lucy nur. Wieder waren sie vor dem Haus, in dem sie wohnte angekommen. "Ach Lucy so gut unterhalten wie heute habe ich mich lange nicht mehr!" Er sah ihr tief in die Augen. Ihre Gesichter kamen sich immer näher, und da passierte es. Ihre Lippen berührten sich zärtlich und die Berührung endete in einem langen Kuss. Lucy wünschte, der Moment würde nie aufhören.
"Wollen wir uns morgen vor der Schule treffen und gemeinsam gehen?" Lucy nickte. Sie konnte nichts sagen vor Glück.
Am nächsten Morgen wartete Jan auf sie. Er lehnte cool an einer Straßenlaterne. Er begrüßte sie mit einem Kuss auf die Wange und nahm ihre Hand. Händchenhaltend betraten sie schließlich auch den Schulhof. Die Mitschüler warfen ihnen komische Blicke zu. Einige murmelten. "Lucy und ich sind jetzt zusammen" sagte er selbstbewusst. Es wäre schön, wenn ihr das akzeptiert und ihr eine Chance gebt. Sie ist nämlich eigentlich ziemlich nett" grinste Jan - etwas unsicher geworden. "Und vergesst nicht, wir haben ihr die Rettung unsere Abiparty zu verdanken". Damit gaben Einige ihm Recht. Lucy wurde schließlich herzlich in dem Freundeskreis aufgenommen. Neben ihrer Beziehung mit Jan, entwickelten sich zahlreiche gute Freundschaften. "Ach hätten wir dir doch wirklich eine Chance von Anfang an gegeben", sagte Karin, inzwischen eine gute Freundin, die es wirklich tief bereute, wie sie einst mit Lucy umgesprungen war.
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