James Cameron hat es geschafft. Sein neuer Film „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ ist seit Dezember der weltweit finanziell erfolgreichste Film mit einer Einspielsumme von bisher 2,6 Milliarden US Dollar. Bereits vor dem Film betonte Macher Cameron er wolle damit Meilensteine der Filmgeschichte setzen.
Die Story an sich ist etwa 20 Jahre alt. Sie spielt im 22.Jahrhundert, in dem die Menschen einen neuen Planeten mit dem Namen Pandora entdecken, auf ihm leben die Na'vi - drei Meter große Lebewesen mit blauer Haut und einer besonderen Beziehung zur Natur. Um diese Bindung zu erforschen wird das Avatarprogramm ins Leben gerufen, bei dem Na-vi Körper gepaart mit menschlicher DNA - die sogenannten Avatare - mental kontrolliert werden. Der Ex-Marine-Offizier Jake Sully – ausgewählt für das Pilotprojekt – erkundet so den neuen Planeten und lernt dabei die Na'vi Neytiri kennen, was ihn schon bald vor eine schwere Entscheidung stellen wird.
Cameron hatte sich bereits vor seinem letzten großen Kinoerfolg „Titanic“ mit dem Avatarstoff beschäftigt. Zwei Jahre vor der Titanic-Premiere erschien online ein erstes 80-seitiges Drehbuch. Cameron selbst glaube zu dieser Zeit aber nicht an eine Umsetzung, da die Technik noch nicht so weit gewesen sei. Sein Problem: die aufwendigen Special-Effects, die insgesamt 60% des fertigen Films einnehmen sollten, wogegen nur 40% real gefilmt sind.
Drei Meilensteine haben die Umsetzung von Avatar ab 2006 überhaupt erst möglich gemacht. Cameron wollte zwei Kameras so synchronisieren, dass sie sich wie echte Augen verhalten. Dies soll den 3D Effekt noch intensiver machen, da das Bild bereits so aufgenommen wurde, die es die Augen normalerweise sehen würden. Wenn auch die Idee hinter diesem Projekt vielleicht als simpel erscheint, ist die Realisierung umso schwieriger, da die Kameras auch den Winkel zueinander anpassen müssen. Diese Technik war notwendig, andernfalls würden die real gedrehten Filmteile nicht zu den aufwändigen computergenerierten Teilen passen. Ihre Entwicklung allein, an der sich Cameron beteiligte, dauerte bereits sieben Jahre. Das Ergebnis ist nun das bisher technisch ausgereifteste stereoskopische Kamerasystem.
Der Film lebt von der Echtheit seiner Animationen zu denen vor allem auch genaue Gesichtszüge und Mimik zählen. Das dafür entwickelte Motion-Capture-Verfahren konnte Cameron nicht nutzen, wäre doch der Aufwand all die Na'vi-Charaktere zu überarbeiten und anzupassen immens gewesen. Mit einem neuen Verfahren, dem Performance-Capture-Verfahren konnte Cameron sogar 95 Prozent des Schauspielers erhalten. Das Verfahren ermöglicht das Aufnehmen von Gesichtsausdrücken und Emotionen, die über eine spezielle Kamera in Mundhöhe das Gesicht des Darstellers filmt. Am Computer werden dann die Bewegungen der Gesichtsknotenpunkte des Schauspielers auf die der Figur übertragen.
Eine wesentlich innovativere Neuerung, an deren Entwicklung Cameron sich wiederum beteiligte, ist die sogenannte virtuelle Kamera. Diese ermöglicht ein Betrachten der soeben erstellten Performance-Capture-Szene wie diese final aussehen würde, sowie die Kamera durch vollständig digitale Szenen manuell zu führen. Damit konnte Cameron als erster Regisseur ohne Zeitverlust die gerade digital entstandene Szene beurteilen und bei Bedarf neu drehen lassen. Der Einsatz der virtuellen Kamera war besonders in den Szenen wichtig, in denen natürliche Figuren mit animierten Figuren interagieren sollten.
Alles in allem wäre der geplante Film ohne diese drei technischen Neuerungen nicht realisierbar gewesen. Cameron hatte also recht mit der Produktion so lange zu warten. Vielleicht ist auch diese Einschätzung gerade ein Grund für den übermäßigen Erfolg, denn nicht ohne Grund erhielt der Film drei Oscars für das beste Szenenbild, die beste Kamera und die besten visuellen Effekte.
Avatar ist ein typischer Cameron Film. Die eingesetzte neue Technik setzt Maßstäbe, für das was 3D heute leisten kann und was in einem Kino möglich ist. Auch wenn vielleicht bei der starken Fixierung auf gute technische Qualität die Story gelitten hat.
Avatar – Aufbruch nach Pandora erschien im Dezember 2009, ab April ist der Film auch auf DVD und Blu-Ray erhältlich. Darüberhinaus gab Cameron vor kurzem bekannt, dass Avatar im Herbst möglicherweise erneut in die Kinos kommen würde. In dieser Version würden einige Szenen enthalten sein, die in der FSK 12 Version herausgeschnitten wurden. Weitere Informationen zum Film unter www.avatar-derfilm.de
Foto: 20th Century Fox
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